Montag, 10. Januar 2011

Werkstoff Papier - Schloss Ludwigslust

Rotes Tier, Heike Roesner (2010)
Papier als Werkstoff für Skulpturen weckt immer wieder Skepsis. Häufiger höre ich das von Galerien oder auch von Kunden - und wenn sie dann meine Sachen sehen bzw. anfassen, sind sie überrascht, wie robust und stabil die Objekte sind. Papier ist ja nicht einfach nur ein leichtes flatterndes Medium. In Verbindung z. B. mit Kleister stabilisiert sich Papier derart, dass es in früheren Zeiten durchaus als Ersatz für Mauerwerk oder ähnliches verwendet wurde. Ein großartiges Beispiel dafür ist das Schloss Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern. Mal abgesehen davon, dass das Schloss und der Park einfach hinreissend sind, ist tatsächlich im Schloss vieles aus Pappmachè: Kerzenleuchter, Balkone, Ballustraden, Säulen - alles am liebsten vergoldet, aber darunter einfach nur Papier! Eine Skulptur der "Venus" ist ebenfalls komplett aus Papier.

Und wenn man nun bedenkt, dass dieses Schloss 1754 gebaut wurde. Und dass die gesamte Pappmaché-Geschichte von damals noch völlig intakt ist - dann weiss ich gar nicht welch besseren Beweis es eigentlich für die Haltbarkeit von Papierkunst geben soll. Darum also ruhig Mut zum Papier. Die Zeit dieses Werkstoffes hat gerade erst richtig begonnen.Und man wird in Zukunft sicherlich noch viel davon hören. In der Zwischenzeit kann man sich ja schonmal schön meinen Skulpturen widmen und sich freuen. Das Thema Freude hatten wir ja schon. Und ich kann auch heute nur wieder sagen: Ich freu mich!

(Übrigens: Meine Arbeiten sind keine Pappmaché-Arbeiten. Ich arbeite in der Kaschiertechnik. Der Unterschied besteht darin, dass bei Pappmaché Papierschnipsel zu einer Art Brei verarbeitet werden, mit dem dann die Form hergestellt wird. In der Kaschiertechnik werden dünne Papierstreifen kreuz und quer übereinander auf einen Träger geklebt, der dann hinterher entweder entfernt wird, so dass eine dünne Papierhülle bleibt. Oder aber - wie in meinem Fall - werden die Papierstreifen Schicht für Schicht auf ein Drahtgerüst "aufkaschiert".)

Kommentare:

susannehaun hat gesagt…

Hallo Heike,
ich freue mich sehr, deinen Blog gefunden zu haben. Deine Skulpturen sind sehr lebendig und auch die Bilder, die ich von dir hier gesehen habe.
Viele Grüße aus Reinickendorf oder aus Lankwitz (Atelier) sendet dir Susanne

mano hat gesagt…

deine informationen über ludwigslust hören sich sehr interessant an. schade nur, dass es mal wieder ein bisschen weit weg von hier ist. falls es dich interessiert und du bis zum 27.2. mal in die stuttgarter gegend kommst: dort gibt es eine ausstellung "leben in karton". viele tolle sachen rund um möbel, architektur etc. - alles aus papier! googel mal: galerie-stihl-waiblingen.de .
schönen gruß von mano

Uschi hat gesagt…

wie schön!
Wo mir der Barock doch eh so nah ist mit seiner üppigen Freude an Formen und Farben.
Aber das mit dem Papier wusste ich wirklich noch nicht.
Hab mich bisher eher mit dem gemalten Marmor aufgehalten.
Ganz fröhliche Grüße!